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NEUER FASCHISMUS - EINE TRAGFÄHIGE THESE? 

Prof. Dr. med. Dieter Fehrentz

 

Auf Einladung der VVN-BdA referierte Prof. Wolfgang Richter zum Thema „Neuer Faschismus - eine tragfähige These?“ in der Heidelberger Neuen Universität. Anstoß gab das von ihm herausgegebene Buch „Ein neuer Faschismus?“

Prof. Dr. sc. Wolfgang Richter war zur DDR-Zeit Professor für Philosophie und Friedensforschung an der Berliner Humboldt-Universität. Er ist Bundesvorsitzender der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e.V. GBM, Berlin. Im Folgenden werden wesentliche Teile des Vortrags mit ergänzenden Zitaten aus o. a. Buch dokumentiert. 

Nobelpreisträger Sinclair Lewis schrieb 1936 zur Frage Faschismus in den USA ein Buch: “Das ist bei uns nicht möglich“. Joe Conason widersprach dem 2007 verbal mit seiner Veröffentlichung „Das kann bei uns geschehen!“. Doch das hatte ja Lewis auch gemeint. Naomi Wolf beschrieb fast gleichzeitig im Guardian einen „Weg zu einem faschistischen Amerika in 10 Schritten“: Erfindung eines furchterweckenden Feindes, Errichtung eines Lagersystems zum willkürlichen Wegsperren von Oppositionellen, Haltung paramilitärischer Banden zur Sorge für „Ruhe und Ordnung“, Einrichtung eines umfassenden Überwachungssystems der Bürger, Unterwanderung von Bürgerinitiativen als “potentielle terroristische Bedrohungen“, Schaffung schwarzer Listen für willkürliche Verhaftungen bei „Bedrohung der Demokratie“, Bedrohung von Schlüsselpersonen mit Jobverlust bei nicht linientreuem Verhalten, Überwachung der Presse und Knebelung der Journalisten, Erklärung von Dissidenz zum Landesverrat und Abschaffung des Rechtsstaats.

Alle diese Punkte sind in den USA bereits mehr oder weniger verwirklicht. Hinzu kommt ein Großmachtimperialismus gepaart mit Hegemonialstreben, Nationalismus, Rassismus und einer bedrohlichen Aggressionsbereitschaft. Unter Hinweis auf die Anschläge auf WTC und Pentagon am 11.9.2001 wurde mit „Patriot Act“ und „Homeland Security“ eine Antiterror-Gesetzgebung durchgesetzt, die wesentliche Grundrechte außer Kraft setzte und das Land in einen zentralistischen Polizeistaat verwandelte. So können z.B. terrorverdächtige Ausländer beliebig lange ohne Prozess festgehalten werden.

Der Krieg der USA gegen Nordvietnam und den „Vietcong“ 1964-75 war der barbarischste seit Hitlerdeutschlands Überfall auf die Sowjetunion. Er wurde durch einen erfundenen Angriff auf zwei US-Zerstörer im Golf von Tonking ausgelöst. Die Amerikaner verloren 57.000 GIs und weitere 60.000 durch Spätfolgen, die Vietnamesen dagegen hatten 2 Mio. Menschenleben zu beklagen. Die Niedermetzelung der Bevölkerung von My Lai und die Entlaubung der Wälder mit Agent Orange waren charakteristisch für das Wüten von US-Armee und Luftwaffe.

Nach Ende des Vietnamkriegs glaubten die Führer des sozialistischen Lagers, die Chance einer Politik der friedlichen Koexistenz sei gekommen. Der Begriff Faschismus wurde - wie in USA schon seit den 70er Jahren - offiziell nur noch selten benutzt. 1990 beschlossen 120 Staaten die „Pariser Charta“, wonach eine Welt des Friedens entstanden sei. Der Warschauer Pakt wurde aufgelöst, nicht jedoch die NATO.

Doch schon 1991 wurde unter tatkräftiger Nachhilfe Außenminister Genschers mit der Abtrennung Sloweniens und Kroatiens die Zerteilung Jugoslawiens begonnen. Diese kostete im Bosnienkrieg 1992-95 100.000 Menschen das Leben und 1999 bei der Bombardierung Jugoslawiens durch die NATO noch weiteren 5000 Zivilisten. Der Überfall erfolgte nach einem unannehmbaren Ultimatum der NATO zur faktischen Aufgabe der Souveränität Jugoslawiens. Die Angriffsgründe der NATO waren ein Konstrukt aus Lügen, verbreitet u. a. von den Ministern Fischer und Scharping. So gab es weder ein KZ im Fußballstadion von Pristina noch einen Hufeisenplan zur Vertreibung der Kosovoalbaner. Das hinderte allerdings die gut nachbarschaftlichen Imperialisten nicht, 7000 volkseigene Betriebe für das westliche Kapital zu „befreien“. Die Zerschlagung Jugoslawiens endete vorerst 2008 unter dem Druck der NATO mit der völkerrechtswidrigen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo von Serbien.

 

An 80% der weltweit über 200 Kriege seit 1945 mit 50 Mio. Todesopfern haben die USA teilgenommen und dabei 12 bis 16 Mio. der Opfer direkt zu verantworten. Zwei Angriffskriege gegen Irak, 10 Jahre Embargo und bisher 5 Jahre Besatzung unter US-Führung haben der Bevölkerung bisher mindestens 2 Mio. Tote gekostet, davon über 500.000 Kinder. Bei der Eroberung der Stadt Falludja 2004 warfen die US-Besatzer Napalm, bombardierten Wohn- und Krankenhäuser, erschossen wahllos Zivilisten trotz Hissens weißer Flaggen, auch Gefangene und medizinisches Personal samt Patienten im Operationssaal. Die Angriffskriege des Imperialismus werden heute gerne als „humanitäre“ oder „friedenserhaltende“ Maßnahmen ausgegeben, obwohl es sich um Kapitalverbrechen gegen die Menschlichkeit handelt und es tatsächlich um Öl, sonstige Rohstoffreserven, Marktbeherrschung und strategisch günstige Standorte geht. So unterhält die USA im Kosovo inzwischen ihren modernsten Auslandsstützpunkt.

Johan Galtung nannte die USA schon 2002 ein geofaschistisches Land und Ervin Roznayi 2005 ein Land im Prozess der Faschisierung. Scott Ritter, 1991-98 UN-Beauftragter für die Suche von Massenvernichtungswaffen im Irak, forderte, Bush und Blair wegen Planung und Ausführung von Angriffskriegen gegen Afghanistan und Irak vor einen Internationalen Gerichtshof zu stellen wie die deutsche Führung 1945 vor den Nürnberger Gerichtshof.

Für die Bundesrepublik stellten Margarete und Alexander Mitscherlich 1977 fest, die fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland könne durchaus in einen neuen Faschismus führen. Vehement wies auch die 68er-Bewegung auf die mit dem „Stamokap“ (staatsmonopolistischer Kapitalismus) verbundene faschistische Gefahr hin. Seither wurden durch Uminterpretation des Grundgesetzes, eine Notstandsgesetzgebung, neue Sicherheitsgesetze und zahlreiche Gesetzesänderungen in Deutschland die Grundrechte sowie demokratische und soziale Rechte eingeschränkt. Der Schutz von Post-, Fernmelde- und Bankgeheimnissen ist aufgehoben. Die totale akustische, videotechnische und informationstechnologische Ausspähung der Bürger mit umfassender Datenspeicherung wurde durchgesetzt.

Weltweite Bundeswehreinsätze sind an der Tagesordnung und beim G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm wurde erstmals die Bundeswehr gegen friedliche Demonstranten abkommandiert. Auch der Abschuss von Zivilflugzeugen und die gezielte Tötung von „Terrorverdächtigen“ wurden von den Ministern Jung (Verteidigung) und Schäuble (Inneres) angedacht. Die CDU/CSU-regierten Länder verhindern durch Nichtabruf der V-Leute des Verfassungsschutzes aus den NPD-Reihen ein neues NPD-Verbotsverfahren und schützen so die Neofaschisten. Mit deren „Kameradschaften“ besteht bereits eine Art SA fürs Grobe. Zur Aushöhlung von Versammlungs- und Streikrecht wird gerade in Bayern ein Mustergesetz erarbeitet. Über Aufsichtsrats- und sonstige Posten, Beraterverträge und weitere Vergünstigungen werden die Abgeordneten dienstbar gemacht. Das Ergebnis ist eine Formaldemokratie, bei der die Interessen von Großbanken, Konzernen und Superreichen Vorrang haben.

Diesen fulminanten Umbau des sich freiheitlich-demokratisch und sozial nennenden Staates Bundesrepublik bis zur Unkenntlichkeit betreiben die verantwortlichen Politiker laut Umfragen gegen den Willen der Wählermehrheit. Unter Hinweis auf die Anschläge vom 11.9.01 - bei ungeklärten Verursachern - werden zum „Schutz gegen Terror“ nach außen Angriffskriege gegen sogenannte Schurkenstaaten geführt und im Inneren die Rechte der Bürger abgebaut und ihre Überwachung jenseits Orwellscher Dimensionen gesteigert. Die Umsetzung der „neoliberalen Globalisierung“ bringt der großen Mehrheit immense Nachteile durch Aufhebung sozialstaatlicher Regelungen (Agenda xyz, Hartz-Gesetze...) und grenzenlose Privatisierungen (Bahn, Bildung, Gesundheit...) mit der Folge weiterer Verteuerungen und Abbau von Leistungen. Nach Jean Ziegler wurden die Grundprinzipien der neoliberalen Globalisierung 1989 im „Konsens von Washington“ vom Chefökonom der Weltbank Williamson formuliert. Sie bezwecken die „Privatisierung der Welt“ und stellen eine Art Verschwörung des Geldadels zur eigenen weiteren Bereicherung dar. Claudia von Werlhof spricht hier von Wirtschaftsfaschismus.

Die repräsentative Demokratie hat demnach eher nur noch einen graduellen als einen prinzipiellen Unterschied zu offen faschistischen Verhältnissen. Sie nähert sich diesen aber „zum Schutz vor Terror“ Schritt für Schritt. Benötigen die ökonomisch Mächtigen dann überhaupt noch den offenen Faschismus zur Durchsetzung ihrer Interessen? Hierzu bestehen jedoch noch gewisse Unterschiede. Völkerrecht, Menschenrechte und Verfassungen werden von den USA und den NATO-Staaten bei ihren humanitären Kriegen zwar gebrochen. Die völlige Unterdrückung der Opposition im eigenen Land bis hin zur physischen Vernichtung ist jedoch nicht der Fall. Es gibt allerdings Grenzen. In der Bundesrepublik ist die KPD seit 1956 verboten mit der unglaublichen „Begründung“, die KPD vertrete die Meinung, „dass die geschichtliche Entwicklung durch ein wissenschaftlich erkanntes Endziel determiniert sei“. Faschistische Parteien hingegen wie die NPD und ihre Gliederungen werden entgegen dem Grundgesetz toleriert mit dem scheinheiligen Hinweis auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit.   

Bei weiterem Wachsen der sozialen Ungerechtigkeit, des Ungleichgewichts zwischen Arm und Reich, des Anstiegs von Arbeitslosigkeit gepaart mit unerträglicher Armut und Not sind auf ruhrartige Massenproteste mit Betriebsbesetzungen und Streiks vorstellbar. Auch eine Mehrheitsgewinnung der linken Wählerschaft könnte eintreten. In diesen Fällen könnte die Regierung das Notstandsgesetz wegen Aufruhrs oder Unregierbarkeit des Landes aktivieren, den Ausnahmezustand erklären und die Bundeswehr zu Hilfe rufen, um die „Ordnung“ wieder herzustellen. Dann hätten wir in etwa faschistische Verhältnisse, wie sie im Chile Pinochets herrschten. 

UND, mit François Bondy:

 

„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen:

«Ich bin der Faschismus»

Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».“

 

Sehr geehrte Frau Abgeordnete,

Katrin Göring-Eckardt (GRÜNE)

bekanntlich pflegen Sie - z.B. über die Mitgliedschaft in dem Verein "Atlantik-Brücke" engste Kontakte zur US- amerikanischen "Elite".

FEHRENTZ hat 2008 -u.a. unter Bezugnahme auf einen Guardian - Artikel von N. WOLF (2007,

1) - einen VVN- Aufsatz veröffentlicht, demzufolge die USA auf dem Weg zu einem neuen Faschismus "in 10 Schritten" weit vorangekommen seien: "Erfindung eines furchterweckenden Feindes, Errichtung eines Lagersystems zum willkürlichen Wegsperren von Oppositionellen, Haltung paramilitärischer Banden zur Sorge für "Ruhe und Ordnung", Einrichtung eines umfassenden Überwachungssystems der Bürger, Unterwanderung von Bürgerinitiativen als "potentielle terroristische Bedrohungen", Schaffung schwarzer Listen für willkürliche Verhaftungen bei "Bedrohung der Demokratie", Bedrohung von Schlüsselpersonen mit Jobverlust bei nicht linientreuem Verhalten, Überwachung der Presse und Knebelung der Journalisten, Erklärung von Dissidenz zum Landesverrat und Abschaffung des Rechtsstaats." KELTSCH hatte bereits Ende der 90er von "Scientology" als einem neuen Faschismus bzw. Cyberfaschismus gesprochen (2, 3).  

Hierzu meine Fragen: 

1) Können Sie guten Gewissens die These widerlegen, die USA seien in einem Neuen Faschismus angekommen?

2) Falls Sie das nicht können: In welcher Hinsicht unterscheidet sich eine solche Entwicklung/ ein solcher Neufaschismus von der in Richtung "Clear-Planet" - Verschwörungs-System (Scientology)?

3) Unternimmt Ihre Partei irgendetwas zur Abwehr eines oben skizzierten Neu-Faschismus hierzulande oder begleiten Sie denselben supportiv bzw. permissiv?

Mit frdl. Gruß
Dipl. med. Meißner
FA f. Anatomie, Psychiatrie, Psychotherapie
Dt. Institut für Totalitarismusabwehr

1) www.guardian.co.uk
2)
www.ingo-heinemann.de
3)
www.stmi.bayern.de 

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"Kapitalismus, ein Zerstörungsprojekt"

12. Februar 2010

ZUR PERSON: Claudia von Werlhof (66) ist Professorin für Frauenforschung an der Uni Innsbruck. Sie gilt als Mitbegründerin der Frauenforschung in der BRD und zusammen mit Maria Mies und Veronika Bennholdt-Thomsen als Begründerin des Ökofeminismus. 

 

Foto Claudia von Werlhof

 

Die Ära der westlichen Ökonomie sei zu Ende, meint die Patriarchatskritikerin Claudia von Werlhof

Standard: Als Ausweg aus der Krise gilt weiteres Wirtschaftswachstum. Sie gehen von anderen Notwendigkeiten aus, richtig?

Werlhof: Wachstum ist das Gegenteil dessen, was hilft. Mein Ausgangspunkt ist Westend, das Ende der westlichen Moderne, ihrer Zivilisation und Versprechen. Das waren immer Lügen.

Standard: Wohlstand für alle schien in den 1960er- und 1970er-Jahren erreichbar, zumindest in den reichen Teilen der Welt. War das eine Illusion?

Werlhof: Auf die Dauer ja, weil das Projekt der Moderne ein Weltzerstörungsprojekt ist: die Produktionsweise, die Technik, die Politik. Man muss sich fragen, was geschah, sodass jetzt sogar das Klima, ein planetarisches Phänomen, als Ergebnis der Industrialisierung global verändert wurde.

Standard: Was ist denn geschehen?

Werlhof: Begonnen hat es im 17. und 18. Jahrhundert mit dem Entstehen der modernen Naturwissenschaft. Sie versprach eine schöne, neue, reiche Welt - und dass der Reichtum Allen zugutekommen und auf demokratische Weise verteilt würde. Das war und ist Propaganda.

Standard: Die Gegensätze zwischen Arm und Reich haben sich aber vor allem seit 1989 verschärft, dafür wird vielfach der Neoliberalismus verantwortlich gemacht. Sehen Sie das anders?

Werlhof: Der Neoliberalismus versucht, das liberale Programm, das es seit dem 18. und 19. Jahrhundert gibt, fortzusetzen - aber nicht mehr für viele, sondern für eine ganz kleine Gruppe von Konzernen. Die Rohstoffreserven gehen zu Ende, also eignet man sich die Reste auf kriegerische Art an - und macht gleichzeitig auf spekulative Weise noch schnell viel Geld. Der Sozialstaat wird ausgeplündert, ganze Länder ebenso, denken Sie etwa an Island oder Griechenland. Begonnen hat das mit der Abkehr vom Goldstandard in der Geldpolitik unter US-Präsident Richard Nixon in den 1970er-Jahren. So konnte sich das Kapital als Finanzkapital verselbstständigen. Das Resultat sind all die bunten Blasen, die seither geplatzt sind.

Standard: Es wird aber auch viel Reichtum auf der Welt angehäuft. Geht es nicht um dessen gerechtere Verteilung?

Werlhof: Das war und ist ein falsches Versprechen. Denn das Problem, das dabei von Gewerkschaften und Linken nicht bedacht wurde, war, dass schon die Erwirtschaftung dieser angeblichen Reichtümer eine Zerstörung ist. Wir müssen den Kapitalismus als Zerstörungsweise sehen. Die Umwandlung der natürlichen Dinge in Waren, Geld, Maschinerie, Hierarchie und schlussendlich in Kapital geht mit Kaputtmachen einher. Diese Zerstörungspolitik tritt jetzt in Form von Naturkatastrophen aller Art in Erscheinung.

Standard: Somit waren der Marxismus und die Arbeiterbewegung, sind die Linken Teil des Problems und nicht Teil der Lösung?

Werlhof: Marx hat noch nachgedacht. Aber er, die Arbeiterbewegung und die Linken gehören mit zur Moderne, die auf der Maschine und der Fabrik beruht, die wiederum auf der Zerstörung der Naturstoffe und ihrer Umwandlung in Totes, in Waren beruhen. Daher wollen auch die heutigen Linken immer noch nichts mit der Natur- und der Frauenfrage zu tun haben.

Standard: Also hat das Problem keineswegs erst mit der Industrialisierung angefangen?

Werlhof: Nein, sondern geistig gesehen schon viel früher, mit der Entstehung des Patriarchats vor 5000 bis 7000 Jahren. Damals hat sich die Idee einer "Schöpfung aus Zerstörung" durchgesetzt. Im Gegensatz zum realen Lauf der Dinge, wo weibliche Gestalten Ursprung des Lebens sind, haben die Männer begonnen, sich als Schöpfer des Lebens, des Reichtums, des Wohlstands zu definieren. Ich nenne das das alchemistische Prinzip. Nach seinem Scheitern in Antike und Mittelalter - es wurde ja kein Gold oder neues Leben produziert - tritt das alchemistische Prinzip in der Neuzeit als neue Naturwissenschaft in Erscheinung, als weltweites Schöpfung-aus-Zerstörung-Programm.

Standard: Warum Zerstörung?

Werlhof: Weil man die Natur nicht künstlich nachmachen kann. Also nimmt man sie in Form ihrer Gestalten auseinander, und setzt sie neu zusammen. Das nennt man Mortifikation - von mors, der Tod: im Grunde ein mechanistisches Vorgehen, das dem aus Zyklen des Werdens und Vergehens bestehen Naturprinzip nicht entspricht.

Standard: Auseinandernehmen und wieder zusammensetzen ist eine Grundlage analytischen Denkens. Wo setzen Sie erkenntnistheoretisch an?

Werlhof: Ich habe mich immer auch mit vormodernen, indigenen, matriarchalen Anschauungen beschäftigt. Irgendwann kam das mit meinen anderen Erkenntniswegen zusammen: in der Frage, warum alles kaputtgeht.

Standard: In der heutigen Zeit kritisieren Sie dieses Kaputtgehen am Beispiel des GATS-Abkommens. Warum?

Werlhof: Im Rahmen von GATS soll etwa das Wasser privatisiert werden. Tut man das, werden viele Menschen verdursten. Und der empfindliche Kreislauf des Wassers auf der Erde wird zerstört, weil man Wasser nicht unbegrenzt transportieren kann. Daher haben auch alle Experimente mit Bewässerung in der Wüste in die Versalzung geführt. Es funktioniert nur kurz, denn man kann die Natur nicht hintergehen.

Standard: Wo liegt die Alternative?

Werlhof: In der Subsistenzproduktion, die auf dezentrale Selbstversorgung abzielt. Sie ist die einzige Alternative zur kapitalistischen Warenproduktion. Nur, Vorsicht: Dezentralisierung kann auch in der Logik des herrschenden Systems gedacht werden, etwa in der EU in Gestalt von Kleinstaaten wie Lettland und Litauen oder am Balkan. Im Gegensatz dazu wollen etwa die Zapatisten im Mexiko nicht mit dem Zentralstaat zusammenarbeiten, sondern die Wirtschaft von unten aufbauen. Zuerst als Subsistenzwirtschaft, und wenn es Überschüsse gibt, werden diese nicht, wie in den Ausbeutungssystemen, abgezogen, sondern an die Nachbarn verteilt oder getauscht. Das ist eine Ökonomie wie in der vorkolonialen Zeit. In Mexiko und in Bolivien kommt das derzeit wieder hoch.

Standard: Kann das auch im zentralisierten Europa funktionieren?

Werlhof: In Europa muss man es historisch angehen - und am Naturverständnis arbeiten. Deutschland etwa war lange föderalistisch organisiert, und hat sich dem Nationalstaat verweigert. Vor allem während der Bauernkriege, am Beginn der Neuzeit, wurden Ausstiege versucht. Sie wurden mit Gewalt verhindert, die Leute in Arbeitshäuser, Zwangsanstalten, Fabriken gequetscht, sodass sie überhaupt keine Produktionsmittel mehr besaßen, sondern vom Lohn und vom Geld leben mussten - so wie es auch heute ist. Was die Natur angeht, muss uns klarwerden, dass wir von ihren Zyklen und Rhythmen derzeit nur wenig wissen. Also müssen wir die vormodernen Anschauungen studieren - hier gibt es ja bereits Arbeiten der neuen Biologie und Physik. Auf dass eine neue Ethik, ein neues Mitleiden entstehen. Damit nicht weiter das passiert, was etwa in Haiti geschehen ist.

Standard: Sie meinen das Erdbeben?

Werlhof: Ja, dass es ein künstlich produziertes Erdbeben gewesen sein könnte.

Standard: Wie das?

Werlhof: Im Projekt HAARP, einem Militärforschungszentrum in Alaska, wurden auf Grundlage der Tesla-Technologie (Nikola Tesla, kroatisch-amerikanischer Erfinder unter anderem den Wechselstroms entwickelte) Earthquake Machines hergestellt, die künstliche Erdbeben hervorrufen. Sie werden benutzt, um Erdölreserven aufzuspüren. Zwischen Haiti und Kuba soll es große Ölreserven geben, also könnte das Erdbeben in Haiti maschinell erzeugt worden sein, um die militärische Besetzung des Landes durch US-Truppen zu ermöglichen. Als Nebeneffekt werden unbotmäßige Regierungen wie etwa jene von Hugo Chavez in Venezuela unter Druck gesetzt.

Standard: Glauben Sie das wirklich? Das klingt nach Verschwörungstheorie.

Werlhof: Ich glaube gar nichts, aber Fakt ist, dass es die Technologie für künstliche Erdbeben gibt. Und von meiner Theorie her entspricht das genau der These von der patriarchalen Schöpfung aus Zerstörung. Außerdem: Öffentlich wird so etwas überhaupt nicht diskutiert.

Standard: Ein blinder Fleck, ein Tabu ?

Werlhof: So ist es - und nicht nur hier. Auch die Wirtschaftskrise wird ja nicht zum Anlass genommen, um etwas anders zu machen, sondern es wird mit allem Mitteln aufrechterhalten, wie es bisher läuft. (Irene Brickner, DER STANDARD/Printausgabe 13.2./14.2.2010)

Frau Werlhof hat die Folgen des Interviews ausführlich dokumentiert. Alle Details können Sie hier nachlesen: DOKUMENTATION ZUR INSTITUTS- UND MEDIEN-KAMPAGNE GEGEN PROF. DR. CLAUDIA VON WERLHOF (PDF)

Darin schreibt Frau Werlhof unter anderem: „Mir ist seitdem klar geworden, dass es bei der Kampagne gegen mich selbstverständlich gar nicht wirklich um mich geht, wenngleich mein Interview in „Der Standard“, Wien, der Anlass zu dieser Kampagne war, die mich direkt in den Blick rückte und die Probleme des Instituts, an dem ich arbeite, in den Hintergrund treten ließ. Mein Erstaunen über die Heftigkeit vor allem des 2. Teils dieser Kampagne und die falschen und gefährlichen Unterstellungen, mit denen sie offenbar ganz bewusst und „ad hominem“ operierte, haben mir aber erst die Augen geöffnet für das, worum es wirklich geht: Es geht um „Mutter Erde“, unseren wunderbaren Planeten selbst. Diese Dimension war mir noch unbekannt gewesen, denn ich hatte wie viele gedacht, es geht zwar um das Leben auf der Erde, aber nicht auch um sie selber. Das hat sich nun geändert.“

In meinem Radiointerview spreche ich mit Frau Prof. Werlhof natürlich über dieses folgenschwere Interview, über HAARP und andere bedrohliche Projekte. Weiteres geht es auch um den Kapitalismus als Zerstörungsprojekt, wohin es führt, wenn es nicht gestoppt wird und welche Alternativen es gibt.

An dieser Stelle möchte ich Frau Prof. Werlhof von ganzem Herzen für ihre Zivilcourage danken! Das Gespräch mit ihr war für mich außerordentlich bereichernd. Ich hoffe, dass es viele Menschen hören werden, denn es geht um nichts weniger als unsere Mutter Erde.

 

Bereits verfügbare Artikel/Texte:

 

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Deutsches Institut
für Totalitarismusabwehr
Dipl.- Med. Wilfried Meißner
Facharzt für Anatomie, Psychiatrie, Psychotherapie a.D.

 

Saalfeld, den 06.04.2013 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bedanke mich für den Hinweis auf den "Stasi 2.0- Politessenlink" https://www.youtube.com/watch?v=q3FyXHjTlsE. Vielleicht sollten wir das Gesehene gedanklich mit der Tatsache in Verbindung bringen, dass das Büro für Spezialaffären der Fa. Scientology/ CIAntology /OSA, vormals DSA http://www.ingo-heinemann.de/DSA-Selbstdarstellung-22.02.1987.pdf) bekanntlich Stasi-/CIA-Methoden der Bespitzelung, Irreführung und Freiheitseinschränkung (jüngster mir bekannt gewordener Mordvorwurf in Kurzvideo hier erhoben: http://www.youtube.com/watch?v=nEwz_pFze0E) verwendet und in alle Säulen des Staates sowie  in nichtstaatliche Organisationen/ Firmen einzudringen beabsichtigt (1). mithin eindeutig totalitär/ neu-faschistisch agiert.

Man schaue sich z.B. an "Die Spitzel von Scientology" bzw. "Das Auge von Scientology" (http://www.youtube.com/watch?v=mFcrF3mLwyU) und lese "Was ist Scientology? Die Fabrikation der Mensch-Maschine im kybernetischen Lernlabor (KELTSCH http://www.stmi.bayern.de/imperia/md/content/stmi/sicherheit/verfassungsschutz/scientology/was_ist_so_dtsch.pdf ).." sowie die Tabelle mit den Zielgebieten von CIAntology/ der Privat - Gestapo (enthalten in einer Publikation des Bundesverwaltungsamtes ("Die S.O.. Gefahren, Ziele, Praktiken"), die auf US- Druck (zunächst zumal der Clintons, beachte das o.g. Video "Das Auge von Scientology" ) nach 1998 nicht mehr aktualisiert wurde.

Die gemeinte Tabelle ist es wert, sorgfältig studiert und aufgehoben zu werden. sie ist rasch zu finden auf S. 2 hier: http://www.bss-by.de/docs/SciVorwort1996.pdf aus der Publikation, die Ingo Heinemann in´s Netz gestellt hat: http://www.ingo-heinemann.de/Bundesministerium-Die-Scientology-Organisation-Aufl2-1996.pdf 

1) Man wird also nicht umhinkommen, sich der Einschätzung von KELTSCH anzuschließen, CIAntology sei ein Neuer Faschismus http://www.ingo-heinemann.de/Muelltonnen.htm#Keltsch. Interessant ist, das die Führer der etablierten LINKEN das nicht erfassen oder erfassen wollen (vielleicht, weil es sich um einen Global- bzw. Internationalfaschismus handelt, der die Nationalstaaten/ Nationalkulturen und Familienstrukturen / Individualität auflöst?). Man beachte exemplarisch das "beredte" Schweigen der Frau Jochimsen, MdB, zum scientologischen (rechtsextremistischen) Betrug an den Völkern Europas durch eine Firma, in der zur "Master-Race" gehört, wer - nach entsprechender Abrichtung zum "Clear" und "Thetan" aufgestiegen - entsprechend verdrehter "Ethik" / Admin. Tech." skrupellos bespitzelt, irreführt und die "Wachstums - Kasse"  füllen hilft. (2). Die Politesse gehört dazu noch nicht, denn immerhin schämt sie sich wohl für das ihr anbefohlene "Stasi 2.o"- Tun. 

Mit frdl.Gruß 

W. Meißner 

Dt. Institut für Totalitarismusabwehr