Zur Navigation | Zum Inhalt
FVCML0208 10
Betreuung in Deutschland PDF Drucken E-Mail

 

„Die Bestellung eines Betreuers von Amts wegen..." 

Die Betreuung dient nicht zur Erziehung oder dazu, gesellschaftliche Wertmaßstäbe durchzusetzen. Aus einem Beschluß des BayObLG (BayObLGR 2001,19 (LS)= BtPrax 2001,79 = FamRZ 2001,1249): „Die Bestellung eines Betreuers von Amts wegen, also ohne Antrag des Volljährigen und, wie hier, gegen seinen Willen, setzt aber voraus, dass der Betreute aufgrund einer psychischen Erkrankung seinen Willen nicht frei bestimmen kann. Dies sagt das Gesetz zwar nicht ausdrücklich, ergibt sich aber aus einer verfassungskonformen Auslegung des Gesetzes. Denn der Staat hat von Verfassung wegen nicht das Recht, seine erwachsenen und zur freien Willensbestimmung fähigen Bürger zu bessern oder zu hindern, sich selbst zu schädigen (BVerfGE 22, 180/219 f.; BayObLGZ 1994, 209/211)

 

Als Depperte abgestempelt 

Von Kleinhubbert, Guido; Loeckx, Michael; Ludwig, Udo 

www.spiegel.de/spiegel/print/d-86109228.html 

Mehr als 1,3 Millionen alte und kranke Deutsche stehen unter amtlicher Betreuung. Mit der wachsenden Zahl nehmen auch die Fälle von Unrecht und Missbrauch zu - etwa wenn die Betreuten Opfer der Raffgier ihrer angeblichen Helfer werden. 

Die amtliche Betreuung ist einer der schwersten Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht: Der Betreuer kann regeln, was mit dem Geld seines Klienten geschehen soll, in welches Heim er kommt und zu welchem Arzt er geht."   

"Mehr als 1,3 Millionen Deutsche sind derzeit abhängig von Betreuern. Jedes Jahr stellen die Gerichte in rund 240.000 Betreuungsverfahren fest, dass ein Individuum nicht für sich selbst entscheiden kann."    

"in einem Drittel der Fälle bestimmt ein Gericht einen der 12.000 Berufsbetreuer in Deutschland" 

"Alwin Schmauder beklagte sich mehrfach über den fremden Betreuer. Die zuständigen Stellen ignorierten jedoch seine Eingaben, sie ließen sogar den (Anm.: nicht gewollten) Grundstücksverkauf zu".  

"Einige Berufsbetreuer versuchen, mit der Übernahme von immer mehr Fällen ihrem Einkommensverlust entgegenzuwirken. Manche haben inzwischen bis zu 100 Menschen zu versorgen. Eine intensive Betreuung ist da schlicht unmöglich. Auch deshalb werden viele Betreute gegen ihren Willen in Heime abgeschoben."   

"Zu selten, klagen Anwälte, machten sich die Richter die Mühe, genau herauszufinden, wie sich alte Menschen ihren Lebensabend vorstellen. Das Selbstbestimmungsrecht bleibe auf der Strecke, der Willkühr seien die Türen geöffnet."   

"Im Bezirk des für Betreuungsrecht zuständigen Amtsgerichts in München etwa verwalten 16 Richter 13.300 Fälle."   

"Auf einen Gefährdungshinweis folgt allzu oft die beinahe routinemäßige Beauftragung eines Betreuers. Behörden und Gerichte würden Menschen ihre Selbstständigkeit in viel zu vielen Fällen ohne sorgfältige Prüfung abnehmen."    

"Es gibt, so lehren derartige Fälle, viele, die für die Misere der Betreuten verantwortlich sind: Angehörige, die voreilig Anträge stellen; Ärzte, die schnelle Gutachten schreiben; Behörden und Richter, denen das Schicksal der Betroffenen gleichgültig scheint -- und schließlich überforderte oder geldgierige Betreuer." 

Artikel als PDF ansehen